Kunsthaus Dresden
Städtische Galerie für Gegenwartskunst

Rähnitzgasse 8 - 01097 Dresden
fon: +49 (0)351-804 14 56
fax: +49 (0)351-804 15 82


UNDER INFLUENCE
Rausch und Drogen in der Gegenwartskunst

1. August 2008 bis 12. Oktober 2008

In den alten Kulturen, eingebunden in religiöse und rituelle Zeremonien dienten Rauschmittel dazu "Kontakt zu Göttern" herzustellen, eine nötige Einsicht zu konstituieren oder durch eine an Drogen gebundene Inspiration kulturelles Wissen anzureichern. Die neuen Drogen und der zeitgenössische Konsum von Suchtmitteln dienen hingegen als gesellschaftliche Stabilisatoren. Fit, wach, flink, schön: Ob Ritalin, das die neu generierte Kinderkrankheit ADS verdecken soll, die Nase, die zwischendurch die eigene prekäre Arbeitssituation kompensiert, oder der kontrollierte Blackout am Wochenende, der erlaubt ist, solange am Montag wieder alle da sind - Drogen werden heute genommen, um zu funktionieren. Der alte Junkie an der U-Bahn-Station ist ein übrig gebliebener Rest, der im Außen verdeckt, was im Verborgenen geschieht.
Somit sind "Rauschgenüsse" heutzutage beinahe jeglicher kulturhistorischen Idee von Initiation oder Transzendenz entledigt, sie dienen mittlerweile dazu, das individuelle Rad am Laufen zu halten oder dank des hart verdienten Geldes richtig aufzudrehen. Dass das Rad dabei häufig zum Stillstand kommt, ist Teil der Doppelmoral.
Die Ausstellung im Kunsthaus Dresden versammelt 15 internationale zeitgenössische Positionen, die das Thema Rausch, Drogen und Sucht zum einen als subjektives Empfinden und zum anderen als gesellschaftliches Phänomen bzw. Problem darstellen. Die künstlerischen Auseinandersetzungen spiegeln Beweggründe, Sehnsüchte und die damit verbundene Ambivalenz wider, die in unserer Gesellschaft entscheidet, was eine "Droge" ist und was nicht.

Filmprogramm und Führung für Schülerinnen und Schüler

In Kooperation mit dem Schulkino Dresden lädt das Kunsthaus Dresden Schulklassen ein, sich im Rahmen eines gemeinsamen Programms mit dem Thema Drogen auseinanderzusetzen. Im Anschluss an einen der Filme "Das weiße Rauschen", BRD 2001, "Dreizehn", USA 2003, "Engel und Joe", Deutschland 2001, "Freedom Writers", USA 2006 oder "Maria voll der Gnade", USA/CO 2004 im Kino Schauburg kommen die SchülerInnen-Gruppen in die Ausstellung UNDER INFLUENCE ins Kunsthaus Dresden. Dort erwartet sie eine Führung durch die Ausstellung und die Möglichkeit, in Diskussion, Erfahrungs- und Gedankenaustausch mit den AusstellungsmacherInnen zu treten.

Bei Interesse melden Sie sich bitte unter 0351-8041456 im Kunsthaus Dresden an. Sie können ebenfalls mit dem günstigen KombiTicket für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel im Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) anreisen.
Wenn Sie aus Dresden kommen: Kombi-Angebot "Film, Führung + Fahrkarte" 6 Euro
Wenn Sie nicht aus Dresden kommen: Kombi-Angebot "Film, Führung + Fahrkarte" 7 Euro
Weitere Informationen für SchülerInnen und LehrerInnen unter www.kunsthausdresden.de und www.schulkino.de.


Ulf Aminde (DE), Jan Bünnig (DE), Lysann Buschbeck (DE), Jeremy Deller (UK), Jessica Dimmock (US), Antje Majewski (DE), Tracey Moffatt (AU/US), Stefan Müller (DE), Oliver Pietsch (DE), Uri Radovan (IL), Ramin Raissi (DE), Ashkan Sahihi (DE/US), The Streets/Adam Smith (UK), Herbert Volkmann (DE), Tobias Zielony (DE)

kuratiert von Susanne Weiß

weiterer Text zur Ausstellung

Unterstützer

Das Projekt UNDER INFLUENCE wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes. In Kooperation mit Idee 01239 e.V. und dem Schulkino Dresden.

Bilder zur Ausstellung
001_Eingang 
002_Antje Majewski 
003_Antje Majewski 
005_Jeremy Deller 
006_Jeremy Deller 
007_Ulf Aminde 
008_Jan Bünnig 
009_Jan Bünnig 
010_Lysann Buschbeck 
011_Oliver Pietsch 
012_Herbert Volkmann 
013_Uri Radovan 
014_Ramin Raissi 
015_Ashkan Sahihi 
016_Ulf Aminde 
017_Ansicht großer Saal 
018_Stefan Müller 
019_Tracey Moffat 
020_Tobias Zielony 
021_Tobias Zielony 
022_Jessica Dimmock 
023_Jessica Dimmock 
024_Tim Höfer/Lena Roob 
025_Tim Höfer/Lena Roob 
026_Tim Höfer/Lena Roob 

Dokumente & Dateien
khd : Under Influence
herunterladen | ansehen
Ramin Raissi : Ice Cold Ice
herunterladen
Ramin Raissi : Ice Cold Ice
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Ramin Raissi : ICE COLD ICE
herunterladen

Begleitende Veranstaltungen
Zurückliegende Veranstaltungen

1.8. 2008 19:00 Uhr (Freitag)
Ausstellungseröffnung UNDER INFLUENCE:
Begrüßung und Einführung in die Ausstellung durch Susanne Weiß, Künstlerische Leiterin Kunsthaus Dresden
Im Anschluss Party mit "Narkotisch & Neurotisch", Berlin

28.8. 2008 19:30 Uhr (Donnerstag)
VORTRAG & DISKUSSION: "Straße ist Straße und keine Konzeptkunst" Ulf Aminde (Berlin):
Ein zentrales Anliegen des von KünstlerInnen und Langzeitarbeitslosen gegründeten Vereins IDEE 01239 ist es, KünstlerInnen und BewohnerInnen von Dresden-Prohlis zu gemeinsamen Projekten zusammenzubringen. Im Rahmen von "Under Influence" lädt der Verein den an der Ausstellung im Kunsthaus Dresden beteiligten Künstler Ulf Aminde zu dem viertägigen Workshop "Sehen_Sucht_Sehnsucht" mit interessierten ProhliserInnen ein, woraus eine Co-Produktion im öffentlichen Raum von Prohlis entstehen wird.
Zu Beginn des Workshops am 28. August stellt Ulf Aminde sich und seine Kunstpraxis näher vor. Er arbeitet mit Video, Fotografie und Performance und inszeniert Situationen mit Laien-darstellerInnen um soziale Zustände und deren Wahrnehmung zu hinterfragen.
Details

29.8. 2008 19:00 Uhr (Freitag)
FILM & DISKUSSION: "DON'T GET HIGH ON YOUR OWN SUPPLY":
In Britta Wandaogos Film "Den Affen Töten" (Dokumentarfilm, Deutschland 1994, 28 Min.) kommen die Abhängigen zu Wort: Sie erzählen von sich, beklagen sich über ihr Schicksal, schämen sich für das, was sie sich und anderen antun. Mit dem "Affen" leben sie alle, egal, ob sie nun Heroin, Codein oder sonst was drücken, spritzen oder schlucken. Als "Affen" bezeichnet man die nahezu unerträglichen Entzugserscheinungen, wenn der Drogennachschub ausfällt.
Im Anschluss findet ein Gespräch mit der Filmemacherin Britta Wandaogo und den an der Ausstellung beteiligten Künstlern Ulf Aminde und Tobias Zielony statt. Sie berichten von ihrer künstlerischen Arbeit mit Abhängigen und sozial Stigmatisierten. Wie entstehen ihre Kontakte zur Drogenszene, mit welchen Problemen sind die KünstlerInnen dabei konfrontiert und wie begreifen sie den Begriff der Partizipation in diesem Zusammenhang?

11.9. 2008 19:00 Uhr (Donnerstag)
VORTRAG: "TAKE A WALK ON THE WILD SIDE"– RAUSCHZUSTÄNDE IN DER KUNST:
Dr. Viola Vahrson, Kunsthistorikerin/ Wissenschaftl. Mitarbeiterin an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
KünstlerInnen wie Marina Abramovic, Rodney Graham oder Peter Land inszenieren sich in ihren Werken unter dem Einfluss bewusstseinsverändernder Substanzen. Den BetrachterInnen werden die sichtbaren Auswirkungen des Rausches präsentiert: Kontrollverlust, Entfesselung oder totale Lethargie. Von den individuellen Empfindungen während des Rausches bleiben die BetrachterInnen jedoch demonstrativ ausgeschlossen. Insofern verweisen diese Werke auf die Diskrepanz von Eigen- und Fremdwahrnehmung und werfen Fragen zur Vermittelbarkeit von Rauschzuständen auf, denen in diesem Vortrag nachgegangen werden soll.

25.9. 2008 19:00 Uhr (Donnerstag)
VORTRAG: "SPEED":
H.C. Dany, Künstler und Autor, Hamburg

Amphetamin ist als Pharmazeutikum die normalste Sache der Welt: Kinder und Soldaten bekommen Amphetaminpräparate legal zugeteilt, um zu leisten, was von ihnen erwartet wird. In seinen illegalen Varianten als Crystal Meth, Pep, Yaba oder Speed steht der Wirkstoff in einem weniger funktionalen Ruf. Doch selbst das schmuddelige Speed wird oft als "Arbeits- und Leistungsdroge" bezeichnet. Zu höchster Aktivität antreiben lassen sich von dem Wirkstoff aber erstaunlich oft auch Menschen, die von der Möglichkeit, etwas zu leisten gesellschaftlich ausgeschlossen sind.
Diesen und anderen Fakten geht Hans-Christian Dany, der zuletzt das Buch "Speed. Eine Gesellschaft auf Droge" (Hamburg 2008) veröffentlichte, in seinem Vortrag auf den Grund.

9.10. 2008 19:00 Uhr (Donnerstag)
FILM & GESPRÄCH: "DUTCH COCAINE FACTORY":
Dokumentarfilm, Regie: Jeanette Groenendaal, Niederlande 2007, 55 Min., hollän-disch mit engl. Untertiteln
2007 legte die Performance-Künstlerin Jeanette Groenendaal ihren ersten Dokumentarfilm vor, der die BetrachterInnen auf verstörende Art und Weise in die gut gehütete Vergangenheit der "Dutch Cocaine Factory" einführt. Inspiriert durch ihren Freund Arend, der seit 40 Jahren kokainsüchtig , begann sie, Hollands Geschichte als größter Kokainproduzent seit dem 2. Weltkrieg zu recherchieren und landete unweigerlich in der Gegenwart, in der die Niederlande zwar eine liberale Drogenpolitik verfolgen, aber gleichzeitig ein weltweit einzigartiges Netz an Überwachungsmethoden anwenden.
Der Film beginnt mit der Verhaftung von Arend, einem Zusammenschnitt von Videomaterial, das von 16 Überwachungskameras aus Arends Haus stammt, die er selbst dort installiert hat. Diese beklemmenden ersten Bilder, die Struktur des ganzen Films und die Unwirklichkeit der porträtierten Ereignisse scheinen zunächst purer Fiktion zu entspringen, erweisen sich aber im Verlauf des Films immer deutlicher als reale Gegebenheiten.
Im Anschluss an die Filmvorführung findet ein Gespräch mit der Filmemacherin statt.

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