Kunsthaus Dresden
Städtische Galerie für Gegenwartskunst

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WELT IN DER HAND
Gegenwartskunst, Filme, Gespräche - zur globalen Alltagskultur des Mobiltelefons

20. März 2010 bis 23. Mai 2010

Im Zeitalter des Internets verspricht das Handy eine nahezu grenzenlose Erweiterung unserer Handlungsspielräume und den ununterbrochenen Anschluss zugleich an globale wie auch persönliche Netzwerke. Kaum eine technologische Innovation der vergangenen Jahrzehnte hat ähnlich mühelos und schnell eine so massenhafte Verbreitung gefunden und dabei derart umfassend von unserem Alltag Besitz ergriffen wie das tragbare Telefon. Als Statussymbol eines gehobenen Konsums, bei dem es nicht um materielle Güter, sondern um Information geht, verkörpert es die individuelle Teilhabe an der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Man kann es als »Territorialmaschine« bezeichnen: ein elektronisches Gerät, das seinen Nut-zer/innen die Welt nicht nur »zu Füßen«, sondern in die Hand legt.

Als Kamera, Walkman, Organizer, Navigationsgerät und Briefkasten für private und berufliche Nachrichten stellt das Handy die persönliche Verbundenheit mit der Welt nicht nur in ihrem wohlhabenden Teil, sondern auch in den Gesellschaften her, die zuvor wenig oder keinen Zugang zu den Kommunikationsnetzwerken hatten. Der Siegeszug der mobilen Kommunikation in Afrika ist beispiellos.

Inzwischen jedoch wird die permanente Verfügbarkeit unserer Welt, aber auch unseres Ichs in all seinen Handlungen und Emotionen auch zu einem zumindest zweischneidigen Versprechen. Der Titel Welt in der Hand bezieht sich auf Welt am Draht, einen Fernsehfilm Rainer Werner Fassbinders, der damit eine der ersten Beschreibungen von Virtualität filmisch umsetzte: Daniel F. Galouyes Roman von 1964 handelt von einer virtuellen Großstadt, die zu Marktforschungszwecken geschaffen wurde. Das zeitgenössische Mobiltelefon als mobile Außenstelle unseres Gehirns, deren Daten permanent per Satellit abgerufen werden könnten, wäre in diesem Falle die ideale Schnittstelle zu unserem Bewusstsein.

Die von Miya Yoshida in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Dresden entwickelte Ausstellung, das Begleitprogramm und das zu Welt in der Hand erscheinende Buch thematisieren Aspekte der globalen Alltagskultur des Mobiltelefons.

Miya Yoshida ist Kuratorin, Publizistin und Wissenschaftlerin in Berlin.

Mit dem Projekt eröffnet das Kunsthaus Dresden die Reihe wire / less zu Kunst und Medien-technologie. Das Buch zur Ausstellung Welt in der Hand erscheint in Kooperation mit Jan Wenzel und Paul Feigelfed bei Spectorbooks in Leipzig.

Maria Theresa Alves (Rom / Berlin), Joëlle de La Casinière (Brüssel), Jan Caspers, Anne König & Jan Wenzel (Leipzig), Alice Creischer & Andreas Siekmann und Christian von Bor-ries (Berlin), Jimmie Durham (Rom / Berlin), William Engelen (Berlin), Laura Horelli (Hel-sinki / Berlin), Annette Krauss (Stuttgart), Sigit Pius Kuncoro (Yogyakarta), Dirk Lange (Dresden), Takashi Murakami (Tokio), Tony Oursler (New York), Tanja Nellemann Poulsen (Århus), Erwin Stache (Leipzig), Annika Ström (Hove / London), Barthélémy Toguo (Paris / Banjoun), Rikki Wemega-Kwawu (Takodari)
und up and down /Thilo Fröbel mit Sebastian Bellmann, Erik Niemz, Stefan Schille, Manuel Siegert, Roald Sorms, Ronny Voß (Dresden)
SMS-Lyrik: Roman Israel, Moritz 7, Stefan Seyfarth (Dresden)

kuratiert von Miya Yoshida in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Dresden

Das Buch zur Ausstellung Welt in der Hand erscheint in Kooperation mit Jan Wenzel und Paul Feigelfed bei Spectorbooks in Leipzig.

Unterstützer

Kunstfonds Bonn, Japanisches Kulturinstitut Köln, IfA, Danish Art Council und Europäische Sozialfonds

Begleitende Veranstaltungen
Zurückliegende Veranstaltungen

19.3. 2010 19:00 Uhr (Freitag)
ERÖFFNUNG:
Begrüßung durch Christiane Mennicke-Schwarz (Künstlerische Leiterin Kunsthaus Dresden)
Einführung durch Dr. Miya Yoshida (Kuratorin der Ausstellung)
Im Anschluss Party mit cyclotron aka Johannes Schmuhl
IDM, Electronica, Ambient (soundcloud.com/cyclotron)
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DJ PERLE (kursoundz) presents:
mixturas durch schwingende landschaften und avantgardistische strømungen
downbeat / electronica / romaragga / dub / afro / electro / jazz
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Visual Installation by Peteris Ziepel based on works from the NODEBOX Libary


25.3. 2010 19:00 Uhr (Donnerstag)
Kente for the Space Age - KÜNSTLERGESPRÄCH:
mit Rikki Wemega-Kwawu und up and down, Thilo Fröbel mit Sebastian Bellmann, Erik Niemz, Stefan Schille, Manuel Siegert, Roald Sorms, Ronny Voß

In Welt in der Hand spielt der afrikanische Kontinent in mehreren Arbeiten eine wesentliche Rolle. In Kente for the Space Age wendet Rikke Wemega-Kwawu eine traditionelle Form des Webens aus der afrikanischen Textilherstellung auf Prepaid-Karten an, wie sie in der Mobiltelefonie gebräuchlich sind. Ökonomische Strukturen als Resultat gewaltsamer historischer und geografischer Einschnitte werden in den Formen, die Rikki Wemega-Kwawu als Elemente des Musters verwendet, anschaulich.
up and down untersucht in der Arbeit Schmutzige Geschäfte, eine Installation aus zweieinhalbtausend von Recyclinghöfen und aus dem Freundeskreis zusammengetragenen Handys, das Roherz Coltan. In selbstgedrehten Filmen auf den Displays der Handys thematisieren sie Zusammenhänge zwischen der Förderung und Verwertung auf den globalen Handelswegen von Coltan und dem Bürgerkrieg in der Demokratischen Republik Kongo.

Rikki Wemega-Kwawu ist Installationskünstler und Maler in Takodari, Ghana. up and down ist ein Medienprojekt von Thilo Fröbel mit Jugendlichen in Dresden-Prohlis.

1.4. 2010 20:00 Uhr (Donnerstag)
Calling Hedy Lamarr - FILM & Gespräch:
Calling Hedy Lamarr
(75 min | D, A, GB | 2004 | R: Georg Misch)
mit Helga Tauscher

Ein Dokumentarfilm auf den Spuren der legendären Hollywood-Diva Hedy Lamarr (alias: Hedwig Maria Kiessler), die eine Weile als »schönste Frau der Welt« galt. Kaum bekannt ist, dass sie parallel zu ihrer Filmkarriere eine visionäre Erfinderin war. Hollywood hatte keinen Platz für kluge Frauen, und so blieb ihre patentierte Erfindung geheim. Ihre Technologie verschaffte den alliierten Torpedos im Zweiten Weltkrieg einen entscheidenden strategischen Vorteil und wird auch heute noch von der US-Armee innerhalb bestimmter Waffensysteme eingesetzt. Auf dem sog. »frequency hopping«, das ihr selbst nie Geld einbrachte, basiert zu-dem bis heute die Mobiltelefonie.
(Kurzinfo Hanfgarn und Ufer Filmproduktion)

Der Hedy-Lamarr-Abend ist ein Beitrag im Rahmen des Ada-Lovelace-Day (http://findingada.com), an dem die Errungenschaften von Frauen in Naturwissenschaft und Technik erinnert und gefeiert werden. Helga Tauscher ist Architektin und Software-Entwicklerin. Sie lebt und arbeitet in Berlin und München. Unter dem Pseudonym gaga veröf-fentlicht sie Comics im Selbstverlag und macht freie künstlerische und open-source-Projekte.

Ort: Filmtheater Casablanca, Friedensstr. 23, Dresden - Neustadt

8.4. 2010 19:00 Uhr (Donnerstag)
Gorbatschow bei Nokia - KATALOGPRÄSENTATION:
mit Paul Feigelfeld und Jan Wenzel

Im November 1989 fällt in Berlin die Mauer, wenige Tage später wird in Bonn die Lizenz für den Aufbau eines digitalen Mobilfunknetzes an das Unternehmen Mannesmann vergeben. Die damit einhergehende Transformation des Fernmeldewesens und eine tief greifende Neuorganisation gesellschaftlicher Kommunikation ist Gegenstand der künstlerischen Arbeiten wie auch des Buches zur Ausstellung. Für das Buch haben die Paul Feigelfeld und Jan Wenzel fünf fiktive Telefongespräche verfasst; die Dialoge, die visuelle Fundstücke zu Aspekten der mobilen Telefonie begleiten und kommentieren, spielen mit einer uralten Form spontaner Wissensproduktion - dem Gespräch. Das Hin- und Her der Gedanken kreist um das Mobilte-lefon und die neuen sozialen und räumlichen, die dieses Sprechen ermöglicht.

Paul Feigefeld ist Kulturwissenschaftler in Berlin und Mitherausgeber des Buchs Welt in der Hand. Jan Wenzel ist Künstler der Ausstellung sowie Publizist und Verleger in Leipzig und Mitherausgeber des Buchs Welt in der Hand.

11.4. 2010 16:00 Uhr (Sonntag)
FÜHRUNG durch die Ausstellung WELT IN DER HAND:

15.4. 2010 19:00 Uhr (Donnerstag)
im Supermarkt | gibt es Marx - | aufblasbar | jetzt bin ich Kommunist | geworden | SMS Lyrik - LES:
Sich mit wenig Raum zu begnügen, kann schwieriger sein, als ganze Bände zu füllen. Dennoch kann die Leichtigkeit weniger Worte die banale Maschine in einen Sender transformie-ren und Empfänger solcher Botschaften im Alltag überraschend berühren. Der Eindruck einer flüchtigen, aber auch direkten Verbindung zwischen Autor_in und Leser_in ist die Stärke die-ses für pragmatische Kurzbotschaften entwickelten Formates. Für das Projekt Welt in der Hand entstand Lyrik von drei jungen Dresdner Autoren: Roman Israel, Autor der Lesebühne Sax Royal und Urheber zahlreicher multimedialer Literaturprojekte, Moritz 7, Lyriker, Song-texter und Mitglied der Lesebühne Lettermen, sowie Stefan Seyfarth, Mitglied von Sax Royal und Autor des Gedichtbandes dresden dilemma. Moderiert wird die Lesung von Michael Bitt-ner. Er ist Co-Moderator des livelyriX Poetry Slams, ebenfalls Autor von Sax Royal und schreibt wöchentlich eine literarische Kolumne für das Magazin der Sächsischen Zeitung.

18.4. 2010 16:00 Uhr (Sonntag)
FÜHRUNG durch die Ausstellung WELT IN DER HAND:

22.4. 2010 19:00 Uhr (Donnerstag)
Afro Digital Kit - FILME & DISKUSSION:
mit Jochen Becker

Die Videoreportage Afro@Digital (52 min | Kongo/Frankreich | 2003 | R: Balufu Bakupa-Kanyinda) erzählt von den weitreichenden Konsequenzen der massiven Einführung digitaler Kommunikationstechnologien in Afrika. Der im kolonisierten Belgisch-Kongo geborene Filmemacher besuchte hierzu eine Vielzahl von Filmemacher/innen, Musiker/innen, Programmdirektor/innen und Ingenieur/innen, die sich in einem neuen Afrika zwischen neuester Medientechnologie und extremer Abgeschnittenheit bewegen. Der zweite Film, RocketKitKongoKit (30 min | USA | 1986 | R: Craig Baldwin) ist eine bilderstürmerische, kaleidoskopische Tour de Force durch die Geschichte von Belgisch-Kongo (später Zaire, heute DR Kongo). Der kalifornische Filmemacher konstruiert mit Hilfe von Found Footage einen Zusammenhang zwischen den Plänen der westdeutschen Rüstungsfirma OTRAG, CIA-Aktivitäten und dem Komplott um Mobutus Regierung. Zusammengestellt wie ein Modellbausatz, schlägt der Film eine alternative Historiografie des post-kolonialen Kongos vor.
Mit der kosmopolitanen Erkundungsreise Afro@Digital und dem experimentellen Agitationsfilm RocketKitKongoKit wird das Bild eines postkolonialen Afrikas zwischen Raketentechnologie, Informationsrevolution und Bürgerkrieg vorgestellt und besprochen.

Jochen Becker arbeitet als Autor, Dozent und Kurator in Berlin. Er ist Mitbegründer von metroZones und Kurator der Projektreihe From / To Europe #1-3 in der Shedhalle Zürich (2006-2007) mit Fortsetzung anlässlich der Brussels Biennial 2008. www.metroZones.info


25.4. 2010 16:00 Uhr (Sonntag)
FÜHRUNG durch die Ausstellung WELT IN DER HAND:

2.5. 2010 16:00 Uhr (Sonntag)
FÜHRUNG durch die Ausstellung WELT IN DER HAND:

6.5. 2010 19:00 Uhr (Donnerstag)
Welcome to the Wireless World - Simultaneität und Ubiquität in Kunst und Medien vom 19. bis zum 21.:
mit Dieter Daniels und anschließendem Gespräch mit Miya Yoshida

VORTRAG zur Reihe wire / less

Schon mit dem Aufkommen der Funktechnik im 19. und frühen 20. Jahrhundert wird die weltweite Simultaneität des »Wireless« zum Paradigma einer neuen Zeitrechnung. Dies ist wörtlich zu nehmen, denn das Zeitsignal ist die erste globale »Sendung« an jedermann - noch lange vor dem Beginn des Radios. Damit beginnt auch die Ubiquität der »Wireless« Medien, die sowohl die öffentlich wie die private Sphäre durchdringen.
Heute übernehmen wir die Koordinaten von Raum und Zeit durch Mobilfunk, GPS Navigation und Funkuhr direkt aus dem globalen drahtlosen Netz. Ein Thema mit dem sich auch zeitgenössische Künstler auf innovative, kritische, sinnliche oder auch unterhaltsame Weise beschäftigen.

Dieter Daniels ist Professor für Kunstgeschichte und Medientheorie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst/Leipzig. Er veröffentlicht und kuratiert zahlreiche Publikationen, Mul-timediaprojekte und Ausstellungen im Bereich Medienkunst. Miya Yoshida ist Kuratorin, Publizistin und Wissenschaftlerin in Berlin. Ihre Promotion Invisible Landscapes, The Construction of New Subjectivities in the Era of the Mobil Telephone 2006 an der Lund University untersucht die Konstruktion neuer Subjektivitäten im Kontext von Mobiltelefonie und Kunst .

9.5. 2010 16:00 Uhr (Sonntag)
FÜHRUNG durch die Ausstellung WELT IN DER HAND:

16.5. 2010 16:00 Uhr (Sonntag)
FÜHRUNG durch die Ausstellung WELT IN DER HAND:

20.5. 2010 20:00 Uhr (Donnerstag)
John & Jane - FILM & GESPRÄCH:
(83 min | Indien | 2005 | R: Ashim Ahluwalias)
mit Miya Yoshida
Sechs Angestellte eines Call-Centers stellt der zweite Film von Ashim Ahluwalias vor. Was als Dokumentation über die Auswirkungen des globalisierten Kapitalismus in Indien beginnt, entwickelt sich zu einem komplexen Filmessay über Utopie und den »American Way of Life«. John & Jane zeigt einen auf den ersten Blick bizarr anmutenden Aspekt des globalisier-ten Kapitalismus. Aus Kostengründen lagern Firmen ihre Servicedienste soweit wie möglich in Billiglohnländer aus. Wer eine kostenfreie 1-800 Servicetelefonnummer wählt, wird möglicherweise in einem Callcenter in Indien über den Gebrauch technischer Geräte beraten, kann per Kreditkarte einkaufen oder einen neuen Mobiltelefonvertrag aushandeln. Die dortigen »Callagents« erhalten ein Traing zu den kulturellen Besonderheiten der USA und erlernen verschiedene Regionaldialekte. John & Jane zeigt ihre Haltung zu ihrem Job zwischen kriti-scher Distanz und vorbehaltloser Identifikation mit dem amerikanischen Lifestyle.
Miya Yoshida ist Kuratorin der Ausstellung Welt in der Hand, Publizistin und Wissenschaft-lerin in Berlin.

Ort: Filmtheater Casablanca, Friedensstr. 23, Dresden - Neustadt


23.5. 2010 16:00 Uhr (Sonntag)
FÜHRUNG durch die Ausstellung WELT IN DER HAND:

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